Mehr Hilfe für Familien in finanziellen Notlagen, jährlich 165.000 Euro weniger Kosten bei den politischen Strukturen sowie Beschlüsse zu Stadtentwicklung, Bildung, Umwelt und Vereinsleben standen im Mittelpunkt der Gemeinderatssitzung. Klaus Gössmann wurde zum neuen ersten Vizebürgermeister gewählt.
(Leoben, 23. September 2026)
Von zusätzlicher Unterstützung für Kinder und Familien über Einsparungen bei den politischen Strukturen bis zu neuem Wohnraum und Maßnahmen für Abfallvermeidung: Der Leobener Gemeinderat fasste eine Reihe von Beschlüssen, die sich unmittelbar auf das Leben in der Stadt und die weitere Entwicklung Leobens auswirken.
Klaus Gössmann neuer erster Vizebürgermeister
Der Gemeinderat wählte Klaus Gössmann zum neuen ersten Vizebürgermeister der Stadt Leoben. Gössmann gehört seit 2018 dem Leobener Gemeinderat an und bringt langjährige Erfahrung aus der Arbeitnehmervertretung sowie aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich mit.
Zusätzlich wurde er zum Wohnungsreferenten bestellt.

Bürgermeister Kurt Wallner (r), Bezirkshauptmann Markus Kraxner (2.vl) und Daniela Götzfried (l) (Bezirkshauptmannschaft Leoben) nach der Angelobung des 1. Vizebürgermeisters Klaus Gössmann (2.vr)
Politische Strukturen bringen 175.000 Euro Einsparung pro Jahr
Auch bei den politischen Organen setzt die Stadt Einsparungen um. Die Zahl der Verwaltungs- und Fachausschüsse wurde reduziert und die Entschädigung für Ausschussvorsitzende, die nicht dem Stadtrat angehören, gesenkt. Dadurch werden künftig rund 175.000 Euro (rd. 50%) pro Jahr eingespart.
Der bisherige Ausschuss für Senioren und Pflege entfällt als eigener Ausschuss. Die Themen bleiben vollständig erhalten und werden künftig gemeinsam im Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Senioren und Pflege behandelt. Mehrere Ausschüsse wurden im Zuge der Neuordnung auch personell neu besetzt.
Finanzplanung 2026 aktualisiert
Mit dem Nachtragsvoranschlag 2026 passt die Stadt Leoben ihre Finanzplanung an die aktuellen Entwicklungen an. Aus dem laufenden Betrieb ergibt sich ein positiver Geldfluss von rund 6,1 Mio. Euro. Damit können unter anderem die vorgesehenen Darlehenstilgungen von rund 4,9 Mio. Euro gedeckt werden.
Blick bis 2030
Auch für die Jahre 2027 bis 2030 wird mit einem jährlich positiven Geldfluss aus dem laufenden Betrieb gerechnet. Nach dem projektbedingten Anstieg im Jahr 2026 soll der Darlehensstand bis Ende 2030 auf rund 34,7 Mio. Euro sinken. Gleichzeitig werden für Ende 2030 liquide Mittel von rund 12,1 Mio. Euro prognostiziert.
Einheitliche Regeln in der Fußgängerzone
Ab 1. November 2026 gilt in der Leobener Innenstadt ganzjährig eine einheitliche Regelung für die Fußgängerzone. Fahrräder dürfen weiterhin mit Schrittgeschwindigkeit fahren, E-Scooter müssen hingegen geschoben werden; Ladetätigkeiten sind künftig täglich von 5 bis 11 Uhr möglich. Damit sollen die Regeln übersichtlicher und die Sicherheit sowie Aufenthaltsqualität für Fußgänger:innen erhöht werden.
Sozialfonds hilft künftig auch beim Mittagessen für Kinder
Ein Schwerpunkt im Sozialbereich ist die Erweiterung des Leobener Sozialfonds. Künftig kann die Stadt auch dann unterstützen, wenn einem Kind aufgrund offener Zahlungen der Ausschluss vom Mittagessen in Kinderkrippe, Kindergarten oder Schule droht. Die Kosten für das Essen können im Rahmen des Sozialfonds übernommen werden. Zusätzlich erhalten betroffene Haushalte Einkaufsbons für den Sozialmarkt. Voraussetzung ist unter anderem, dass das Haushaltseinkommen die festgelegte Einkommensgrenze nicht überschreitet. Für den Sozialfonds stehen jährlich bis zu 25.000 Euro zur Verfügung.
Damit wird das bestehende Unterstützungsangebot, das bisher insbesondere bei drohender Delogierung sowie Strom- oder Wärmeabschaltung greift, gezielt um Hilfe für Kinder erweitert.
Gesundheit beginnt im Kindergarten
Der Kindergarten Seegraben nimmt für drei Jahre am Netzwerk „Gesunder Kindergarten – gemeinsam wachsen“ teil. Bewegung, Ernährung, psychosoziale Gesundheit und eine gesunde Umgebung werden dabei verstärkt in den Kindergartenalltag integriert. Kinder, Eltern und das Team profitieren von Workshops, fachlicher Begleitung und konkreten Gesundheitsmaßnahmen.
Auch die Beiträge der Musik- und Kunstschule wurden für das Schuljahr 2026/27 neu geregelt.
Insbesondere bei Schüler:innen aus anderen Gemeinden soll eine ausgewogenere Kostenverteilung zwischen Leoben und den jeweiligen Wohnsitzgemeinden erreicht werden. Von den 787 Schüler:innen im vergangenen Musikschuljahr hatten 231 ihren Wohnsitz außerhalb Leobens.
Neuer Wohnraum und Flächenwidmungsplan
Für Hinterberg – Kärntner Straße II wurde der Teilbebauungsplan beschlossen. Damit wurde der planerische Rahmen für eine weitere Wohnbebauung geschaffen. Vorgesehen sind maximal zweigeschoßige Gebäude; zudem wurden klare Vorgaben unter anderem für Begrünung, Freiflächen, Entwässerung und Verkehrserschließung festgelegt. Im Zuge des Verfahrens eingebrachte Stellungnahmen und Einwendungen wurden geprüft und führten in mehreren Bereichen zu Anpassungen.
Gleichzeitig beschloss der Gemeinderat die öffentliche Auflage des Flächenwidmungsplans 6.00. Von 1. Oktober bis 26. November 2026 können Bürger:innen die Unterlagen einsehen und schriftlich begründete Einwendungen einbringen.
„Packbar!“: Mehrwegkartons für den Umzug
Mit dem Pilotprojekt „Packbar!“ setzt Leoben auf Abfallvermeidung und ein neues Service für Bürger:innen. Wiederverwendbare Umzugskartons können künftig während der Öffnungszeiten des Altstoffsammelzentrums ausgeliehen und nach dem Umzug zurückgebracht werden.
Die Stadt arbeitet dabei unter anderem mit der Montanuniversität Leoben, dem Land Steiermark, der Holding Graz und Ecosocial Mind zusammen. Für die Stadt entsteht kein finanzieller Eigenaufwand.
Unterstützung für Vereine, Soziales und Sport
Subventionen und Förderungen
Der Gemeinderat beschloss zudem Subventionen und Förderungen für zahlreiche Vereine und Organisationen. Unterstützt werden unter anderem das Wiesenfest Leoben, der Reitclub Waltenbach, EV Ladler Tal Leoben, EV Göss, Stadtchor Leoben, KuLEMu, HKL – Krvatski Klub Leoben, die Caritas-Notschlafstelle, die Pensionistenverbände Göss und Leoben-Stadt, der Tierschutzverein Leoben und die Jagdgesellschaft Göss-Schladnitz.
Beim DSV Leoben übernimmt die Stadt für den Spielbetrieb wesentliches Inventar wie Flutlichtanlage, Fußballtore und Tribünensitze und stellt dieses dem Verein zur Verfügung.
Die Instandhaltungskosten trägt der Verein. Zudem wurde die bestehende Stadion- und Jugendförderung angepasst.
Zwei neue Namen im Stadtgebiet
Die Parkanlage südlich der Volksschule Leitendorf trägt künftig den Namen „Gottfried-HeindlerPark“. Die platzartige Erweiterung des Stadtkais westlich der Waasenbrücke wurde als „EgonKapellari-Platz“ benannt. Für Anrainer:innen entstehen durch beide Benennungen keine Adressänderungen.
Dringlichkeitsanträge
Steinbruch Leitendorf
Zur Situation rund um den Steinbruch Leitendorf soll laut einem Dringlichkeitsantrag der KPÖ eine rechtliche Klärung des Bergbaubetriebs sowie eine Prüfung der UVP-Pflicht für den aktuellen Abbauumfang erfolgen. Der Antrag wurde abgelehnt. SPÖ, Bürgerliste Walter Reiter und Grüne beantragen zu diesem Thema, sämtliche der Stadt offenstehenden rechtlichen und tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten prüfen zu lassen und dem Gemeinderat bis zur nächsten Sitzung darüber zu berichten. Der Dringlichkeitsantrag wurde angenommen.
Gemeindewohnungen
Für die Leobener Gemeindewohnungen beantragt die KPÖ eine Sanierungsoffensive, eine Mietzinsobergrenze und unbefristete Mietverträge. Der Dringlichkeitsantrag wurde dem Ausschuss für Recht & Finanzen zugewiesen.
Neues Rüsthaus für die Freiwillige Feuerwehr Leoben-Stadt
Für ein neues Rüsthaus sollen die notwendigen Gespräche mit Land und Landesfeuerwehrverband sowie die Planungs- und Finanzierungsschritte vorangetrieben werden, mit dem Ziel, einen Baubeginn spätestens 2028 zu ermöglichen. Dem FPÖ Antrag wurde in abgeänderter Form zugestimmt.
Änderungen bei Grünen und Blauen Parkzonen
FPÖ, ÖVP und KPÖ beantragen die Auflassung mehrerer Grüner Zonen, eine Neuregelung der Parkgebühren mit einer kostenlosen ersten halben Stunde sowie die Übertragung der Parkverwaltung beim Asia Spa. Der Dringlichkeitsantrag wurde abgelehnt.
Naherholungsgebiet für Hinterberg
Im Bereich des bestehenden Pumptracks in Hinterberg soll die Entwicklung eines Naherholungsgebiets mit Grün- und Aufenthaltsflächen sowie zusätzlichen Angeboten wie FunCourt, Hundewiese und Bewegungsmöglichkeiten geprüft werden. Der von der FPÖ eingebrachte Dringlichkeitsantrag wurde dem Bauausschuss zugewiesen.
Verkehrssituation bei den Gymnasien
Für die Moserhofstraße im Bereich der Gymnasien soll ein Verkehrskonzept erarbeitet werden, das insbesondere die Situation zu Schulbeginn und Schulende sowie die Interessen der Anrainer:innen berücksichtigt. Der von der FPÖ eingebrachte Dringlichkeitsantrag wurde dem Verkehrsausschuss zugewiesen.
